Auf diesem Blog habe ich schon mehrmals über meine Anlagestrategie, und dass ich diese über Sparpläne umsetze, berichtet. In diesem Beitrag blicken wir in die ferne Zukunft und schauen uns mal Möglichkeiten an, wie man das hoffentlich dann üppige Vermögen mit Hirn wieder entnehmen kann. Wann das bei mir so weit sein wird, steht noch in den Sternen, aber Gedanken habe ich mir schon einige darüber gemacht, welche ich mit euch im Rahmen dieses Beitrages teilen möchte.

Idee 1: Strategie Beibehalten und Umschichten des Aktienanteils auf ausschüttende ETFs
Wie ihr aus den Beiträgen auf diesem Blog wahrscheinlich schon entnommen habt, besitze ich momentan ausschließlich thesaurierende ETFs, die automatisch die erwirtschafteten Dividenden, Zinsen usw. wieder reinvestieren. Ist nun die Zeit des „Kapitalverzehrs“ gekommen, so kann es sinnvoll sein, die bestehenden ETFs einfach in ausschüttende Versionen umzuschichten. Dazu habe ich mir das ausschüttende Pendant schon mal herausgesucht (Dort, wo es keine ausschüttende Kopie gibt, habe ich ein vergleichbares Konkurrenzprodukt gewählt, bzw. die Position einfach leer gelassen):
| Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF | Ausschüttungsrendite | Ausschüttungsintervall |
| Core MSCI World USD (Acc) LU1781541179 | MSCI World UCITS ETF DR EUR (D) LU1737652237 | 1,74 % | Jährlich |
| Core MSCI EM IMI USD (Acc) IE00BKM4GZ66 | Core MSCI Emerging Markets IMI UCITS ETF IE00BD45KH83 | 3,23 % | Halbjährlich |
| MSCI World Small Cap USD (Acc) IE00BF4RFH31 | |||
| Euro Inflation Linked Gov Bond EUR (Acc) IE00B0M62X26 | Euro Government Inflation Linked Bond (DR) UCITS ETF – Dist LU1650491795 | 0,93 % | Halbjährlich |
| Physical Gold IE00B4ND3602 |
Da tauchen schon die ersten Probleme auf:
- Meine Gold-Position ist eigentlich kein ETF, sondern ein ETC (Exchange Traded Commodity), welcher naturgemäß nichts ausschütten kann.
- Auf den MSCI World Small Cap gibt es aktuell keinen ausschüttenden ETF
- Die Ausschüttungstermine sind vom Fonds festgelegt und ich als Inhaber kann nicht bestimmen, wann ich die Ausschüttung erhalte, was übrigens auch für die von vielen so heiß geliebten Dividendenaktien gilt.
- Ausschüttungen sind immer sofort zu versteuern.
Alles nicht so prickelnd, daher im Anschluss die nächste Idee.
Idee 2: Umschichten des Aktienanteils auf einen Hochdividenden ETF
Ein Blick auf den ETF-Finder von www.justetf.com liefert folgende beliebte Dividenden-ETFs:
- Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF Distributing IE00B8GKDB10 welcher eine Dividendenrendite von 3,78 % zu Buche stehen hat und 4 mal pro Jahr ausschüttet.
- iShares STOXX Global Select Dividend 100 UCITS ETF (DE) DE000A0F5UH1 mit einer Dividendenrendite von 5,16% und einem Ausschüttungsintervall von, und das ist jetzt kein Scherz, „mindestens jährlich„
- SPDR S&P Global Dividend Aristocrats UCITS ETF IE00B9CQXS71bringt eine Dividendenrendite von 4,64 %, welche auf 4 Ausschüttungen pro Jahr verteilt wird.
Das liest sich doch alles sehr vernünftig, hat aber aus meiner Sicht mehrere entscheidende Haken:
- Vanguard ETF: Kostenquote 0,29 % / Jahr, 1812 Positionen
- iShares ETF: Kostenquote 0,46 % / Jahr, 100 Positionen
- SPDR ETF: Kostenquote 0,45 % / Jahr, 101 Positionen
Während beim erstgenannten ETF noch eine halbwegs akzeptable Diversifizierung gegeben ist, so sind 100 Positionen eindeutig zu wenig und komplett konträr zu meiner Strategie. Außerdem sind die Kosten ca. doppelt so hoch, wie bei meinem bestehenden Ansatz. Daher jetzt die nächste Idee.
Idee 3: Alles so lassen, wie es ist und Entnahmen per Anteilsverkäufe abwickeln
Diese Variante bietet einige entscheidende Vorteile:
- Der Entnahmezeitpunkt kann nach Bedarf festgelegt werden
- Ich muss nicht umschichten in meinem Portfolio
- Die Kostenquote bleibt so wie jetzt und damit extrem niedrig
- Steuern (ausgenommen ausschüttungsgleiche Erträge) werden nur bezahlt, wenn ich etwas entnehme
- Rebalancing kann mit den Entnahmen vorgenommen werden
Aber auch ein paar Nachteile:
- Entnimmt man zu viel, kann das Depotvolumen sehr schnell kleiner werden, vor allem wenn gerade eine Krise am Aktienmarkt herrscht. In der Ansparphase sind Krisen durchaus nützlich, da für das gleiche Geld mehr Anteile erworben werden können. Das dreht sich logischerweise in der Entsparphase um, da man im Falle einer Krise, für den gleichen Geldbetrag, mehr Anteile verkaufen muss.
- Man ist auch in seiner Entnahmephase der hohen Volatilität des Aktienmarktes ausgesetzt.
Grundsätzlich überwiegen hier klar die Vorteile, es gibt aber hier eine Modifikation, welche ich in Idee 4 beschreibe.
Idee 4: Wie Idee 3, nur mit einem reduzierten Aktienanteil
Der Aktienmarkt ist ein volatiles Wesen und Volatilität ist in der Ansparphase eigentlich gar nicht so schlecht für den Vermögensaufbau. Umso schlechter ist sie aber in der Entnahmephase, daher ist ein Gedanke, den Aktienanteil zu reduzieren und in Anleihen oder ähnliche (scheinbar sicherere) Produkte umzuschichten. Klar geht das auch zulasten der Performance, aber man kann dann doch etwas ruhiger schlafen. Andererseits bin ich im höheren Alter doch um einiges erfahrener am Markt und werde vermutlich mit Schwankungen sehr gut umgehen können, was mir allerdings auch jetzt schon passabel gelingt. 2022 war hier sicher ein gutes Lernjahr.
Lebe deinem Einkommen entsprechend und spare, damit du investieren kannst.
Robert Kiyosaki
Welche Idee wird sich durchsetzen
Idee 1 und Idee 2 schließe ich kategorisch aus, da sie (im Falle von Idee 1) für mein Portfolio gar nicht umsetzbar sind bzw. (im Falle von Idee 2) konträr zu meiner Strategie sind. Bei den anderen beiden Ideen bin ich noch unentschlossen, aber Gott sei Dank bin ich eher einer der jüngeren Sorte, weshalb ich noch viel Zeit habe, um mich für eine dieser beiden Ideen zu entscheiden. Wer weiß, vielleicht wird es auch komplett anders kommen, denn wie heißt es so schön: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen! In diesem Sinne, nicht zu viel Nachdenken, sondern auch das Jetzt genießen.
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