Mit diesem Beitrag möchte ich euch wieder ein Buch vorstellen, welches von mir vor ein paar Wochen gelesen wurde. Eines vorweg: Dieses Buch richtet sich nicht an Einsteiger und blickt wirklich sehr tief in den Maschinenraum der ETFs. Für alle, die etwas tiefer in diese Welt eintauchen wollen, und sich schon länger mit dieser Materie befassen, lohnt sich dieses Buch allemal, um auch die letzten Details verstehen zu können. Für Einsteiger gibt es zahlreiche andere Bücher, aus denen Neulinge mehr Informationen herausziehen können, als das Buch, um das es hier geht: Professionell in ETFs investieren: Einblicke, Hintergründe und Expertentipps von Michael Huber

Cover des Buches. Quelle: Amazon

Der Inhalt

Es wird einem beim Lesen, schon nach ein paar Sätzen klar, dass dieses Buch keine leichte Kost ist. Es geht wirklich sehr technisch zur Sache. Gleich am Anfang liefert der Autor eine sehr gute Antwort auf die Frage, warum es bei unseren Hausbanken eigentlich fast keine ETFs zu kaufen gibt:

ETFs nach über 30 Jahren bzw. in Europa nach über 20 Jahren als »junges Anlagevehikel« zu bezeichnen, mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen. Hier gilt es jedoch, den direkten Vergleich mit klassischen Fonds im Hinterkopf zu behalten, die bereits deutlich länger bestehen und lange Zeit eines der effizientesten Anlagevehikel darstellten. Vor diesem Hintergrund hat sich rund um klassische Fonds eine gewisse Infrastruktur etabliert, welche sich insbesondere auch auf die Prozesse bei Anlageberatern und Abwicklern erstreckt. Durch ihre speziellen Eigenschaften ist die Integration von ETFs in diese Prozesse mit einem gewissen Aufwand verbunden. Bis heute haben es viele Anlageberater versäumt, ihr Vergütungsmodell anzupassen und dadurch sicherzustellen, dass sie auch für den Einsatz von ETFs im Kundenportfolio entlohnt werden. Entsprechend gering ist häufig die Motivation dieser Berater, sich mit dem Thema ETFs detailliert zu befassen und Kunden darüber aufzuklären.

Michael Huber in Professionell in ETFs investieren: Einblicke, Hintergründe und Expertentipps

Die Quintessenz: Sie haben einfach noch keinen Weg gefunden, um damit Geld zu verdienen!

Weiters ist es sehr interessant, wie eigentlich ein weltumspannender ETF, wie zum Beispiel einer auf den MSCI ACWI, seinen Preis bildet. Da die Börsen üblicherweise immer zur „Normalarbeitszeit“ der jeweiligen Zeitzone offen haben und nie gleichzeitig, ist das eine ziemlich knifflige Aufgabe, die jedoch elegant gelöst wurde. Es wird immer auf Basis der zuletzt gehandelten Kurse aller enthaltenen Aktien der Index berechnet und falls die jeweilige Börse schon geschlossen ist, ist das der Schlusskurs.

Sehr gut finde ich auch die Erklärung zur Wertpapierleihe in diesem Buch, die als zusätzliche Ertragsquelle für einen ETF fungieren kann:

Bei der Wertpapierleihe stellt der ETF die durch ihn gehaltenen Titel vorübergehend einem anderen Marktteilnehmer zur Verfügung. Das bedeutet, dass der ETF über einen gewissen Zeitraum bestimmte Wertpapiere nicht physisch im Portfolio hält, sondern stattdessen lediglich einen Anspruch an eine Gegenpartei auf den Rückerhalt der verliehenen Wertpapiere hat. Dafür werden der Gegenpartei Leihe-Gebühren berechnet, die für den ETF eine zusätzliche Ertragsquelle darstellen.

Michael Huber in Professionell in ETFs investieren: Einblicke, Hintergründe und Expertentipps

Wie sich vielleicht einige von euch erinnern können (und übrigens im Blogbeitrag „MSCI World ETF ausgewechselt“ ausführlich beschrieben wird), liegt das Fondsdomizil des neuen MSCI World ETFs in Irland und nicht mehr in Luxemburg, um die Quellensteuer auf Dividenden der US-Unternehmen zu minimieren. Den Anstoß dafür lieferte das hier beschriebene Buch.

Sehr gelungen finde ich den Abschnitt, wo es um Korrelationen innerhalb des Portfolios geht. Gewisse Produkte alleine zu haben ergibt wenig Sinn, aber im Verbund mit anderen Produkten kann ein sehr resilientes Portfolio gebaut werden. Ein Paradebeispiel ist hier Gold, das eine sehr geringen Korrelation mit dem Aktienmarkt hat. Gold alleine im Depot wäre nicht recht intelligent, aber in Kombination mit anderen Produkten (bspw. einem MSCI World ETF) ergibt es durchaus Sinn. Auch ich habe einen kleinen Gold-Anteil in meinem Portfolio.

Immer wieder gerne verwechselt werden die Begriffe Tracking Error und Tracking Differenz, und auch hier liefert der Autor eine sehr gute Beschreibung, was denn nun der Unterschied ist:

Der Tracking Error ist ein Risikomaß und beschreibt die annualisierte Standardabweichung der täglichen Performanceunterschiede zwischen dem ETF und seinem Zielindex. Er entspricht also der Volatilität der täglichen Tracking Difference. Im Gegensatz zum Tracking Error ist die Tracking Difference ein Performancemaß, welches die absolute Abweichung zwischen einer Anlage und der zugehörigen Benchmark angibt.

Michael Huber in Professionell in ETFs investieren: Einblicke, Hintergründe und Expertentipps

Mein Fazit

Sehr technisch und absolut nicht für Einsteiger zu empfehlen, da sie sonst vielleicht die Lust verlieren, sich mit dem wichtigen Thema ETFs zu beschäftigen. Ein paar Punkte konnte ich mitnehmen (siehe oben), aber im Großen und Ganzen eher kein Buch, das man unbedingt lesen muss.

Haftungsausschluss: Long Run Value betreibt keinerlei Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung und spricht keine Handlungsempfehlungen aus. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen.

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